Wasserdichte Regenjacken: Tipps für den Kauf

Natur- und Outdoorfans sind irgendwann mit der Frage konfrontiert, wie bleibe ich auf langen Wanderungen auch bei plötzlichen Regenschauern oder Dauerregen trocken? Hier gibt es nur eine Lösung: Eine wasserdichte Regenjacke muss her! Doch beim Kauf gibt es einige Dinge zu beachten.

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Experte für wasserdichte Jacken bei Sympatex
Bild: Sympatex Technologies GmbH
Sascha Buchhauser, Senior Key Account Manager bei Sympatex

Sascha, was ist eigentlich der Unterschied zwischen wasserabweisend und wasserdicht?

Sascha Buchhauser: „Bei einer Regenjacke spricht man von wasserdicht, wenn das gesamte Material der Jacke wasserdicht ist und alle Nähte mit einem sogenannten Nahtversiegelungsband verschweißt sind. Wenn die Nähte der Jacke hingegen nicht oder nur teilweise verschweißt wurden, dann spricht man von einer wasserabweissenden Jacke. Jacken, die mit Sympatexmaterial verarbeitet sind, sind in der Regel immer wasserdicht.

Man sollte also beim Kauf einer Regenjacke genau darauf achten, was auf dem Hangtag angegeben ist?

Sascha Buchhauser: „Genau, oft ist auf dem Hangtag angegeben, ob die Nähte der Jacke komplett oder nur teilweise verschweißt wurden. Wenn sie komplett verschweißt wurden, dann kann man auch sicher sein, dass es sich um eine wasserdichte Jacke handelt.

Nähte bei wasserdichten Jacken
Bild: Sympatex Technologies GmbH
Entscheidend ist, ob die Nähte nur teilweise oder komplett verschweißt wurden.

Auch die sogenannte Wassersäule wird immer wieder als Qualitätskriterium für Regenjacken verwendet, was sagt diese über die Wasserdichtheit einer Jacke aus?

Sascha Buchhauser: „Die Wassersäule sagt etwas darüber aus, wie viel Wasserdruck das Material aushält, bis es auf der Innenseite feucht wird. Wenn eine Membran eine Wassersäule von mindestens 1.300 Millimetern standhält, ist sie wasserdicht. Wir garantieren für unser Sympatexmaterial eine Wassersäule von 20.000 Millimetern, unsere Membran erreicht sogar eine Wassersäule von 45.000 Millimetern. Oftmals werden im Handel für handelsübliche Regenjacken Wassersäulen von mehr als 30.000 Millimetern angegeben – dies ist jedoch unnötig, da im Normalgebrauch niemals eine über 20.000 Millimeter hinausgehende Wassersäule benötigt wird.“

Das bedeutet, eine hohe Wassersäule sagt nichts über die Qualität der Regenjacke aus?  

Sascha Buchhauser: „Die einzelnen Marken „batteln“ sich hier natürlich immer ein wenig und versuchen, immer noch höhere Werte für ihre Jacken zu generieren. Denn für den Kunden klingt ein höherer Wert natürlich immer besser. Aber generell kann man festhalten, dass eine Wassersäule von 20.000 Millimetern völlig ausreichend ist.“

Wassersäule bei wasserdichten Jacken
Bild: Sympatex Technologies GmbH
Im Normalgebrauch wird eine über 20.000 Millimeter hinausgehende Wassersäule nicht benötigt.

Auf welche Qualitätskriterien sollte ich denn außerdem beim Kauf einer Regenjacke achten?  

Sascha Buchhauser: „Auf jeden Fall darauf, ob es eine wasserdichte oder nur eine wasserabweisende Jacke ist und auf die Atmungsaktivität des Produkts.“

Und wie finde ich etwas über die Atmungsaktivität des Produkts heraus?

Sascha Buchhauser: „Über die sogenannte Moisture Vapour Transmission Rate, kurz MVTR-Wert. Der MVTR-Wert gibt Aufschluss über die Menge der verdunsteten Flüssigkeit pro Quadratmeter in 24 Stunden. Je höher dieser Wert ist, desto atmungsaktiver ist die Jacke. Ab 3.000g pro Quadratmeter in 24h spricht man von einer atmungsaktiven bzw. wasserdampfdurchlässigen Jacke.“

Macht es einen Unterschied, ob ich eine beschichtete Regenjacke oder eine Regenjacke mit Membran kaufe?

Sascha Buchhauser: „Ja, es macht einen Unterschied, denn ein Stoff der nur eine Beschichtung hat, wird auf Dauer nicht wasserdicht bleiben und hat eine schlechte Atmungsaktivtität. Jeder Oberstoff, der für eine Regenjacke eingesetzt wird, sollte mit einer Imprägnierung oder auch DWR-Beschichtung ausgerüstet sein. DWR steht für „Durable Water Repellency“, was mit „dauerhafte Wasserabweisung“ übersetzt werden kann. Diese lässt das Wasser, das von außen auf den Stoff kommt, abperlen, ohne dass sich das Material mit Wasser vollsaugt. In der Vergangenheit wurde hier sehr viel mit PFC-haltigen Chemikalien gearbeitet, um die Imprägnierung über einen möglichst langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Mittlerweile gibt es auch schadstofffreie Lösungen ohne schädlichen Chemikalieneinsatz, die sogenannten PFC-freien Imprägnierungen. Wir bei Sympatex arbeiten ausschließlich mit PFC-freien Imprägnierungen, die unbedenklich für die Umwelt sind.“

Das heißt, ich sollte beim Kauf auf die Angabe „PFC-frei“ achten?

Sascha Buchhauser: „Genau! Meist steht „PFC free/frei“ auf dem Hangtag oder auf einem extra Label. Damit ist eine schadstofffreie Imprägnierung gewährleistet.“

wasserabweisende Regenjacke
Bild: Sympatex Technologies GmbH
Wasserabweisende Regenjacke von Sympatex

Welche Dinge sollte ich denn beim Thema Nachhaltigkeit noch berücksichtigen?

Sascha Buchhauser: „Also heutzutage sollte man schon darauf achten, ob oder wie viel Recyclinganteil in der Jacke steckt. Und keinesfalls auf Produkte zurückgreifen, die gar nicht recyclingfähig sind. Alles aus dem Bereich sortenreines Polyester ist auf jeden Fall recycelbar und wenn dann auch noch die Membran recycelbar ist, so wie unsere Sympatex Membran, dann hat das den Vorteil, dass die Jacke beinahe komplett recycelbar ist.“

Gibt es spezielle Siegel, auf die ich beim Kauf einer nachhaltigen und schadstofffreien Regenjacke achten kann?

Sascha Buchhauser: „Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Siegeln, als Endverbraucher ist es hier oftmals schwierig, den Überblick zu bewahren. Ein Siegel, mit welchem wir bei Sympatex zusammenarbeiten und mit welchem wir gute Erfahrungen gemacht haben, ist das OEKO-TEX® Zertifikat. Außerdem haben wir eine langjährige Partnerschaft mit bluesign® und sind durch diese zertifiziert worden. Für uns sind dies in puncto Nachhaltigkeit die beiden wichtigsten Siegel.“

wasserabweisende Regenjacke
Bild: Sympatex Technologies GmbH
Ein Stoff der nur eine Beschichtung hat, wird auf Dauer nicht wasserdicht bleiben und hat eine schlechte Atmungsaktivtität.

Wenn ich nun im Laden nach einer nachhaltigen Regenjacke suche – welche Fragen sollte ich den VerkäuferInnen dazu stellen? Oder gibt es Marken, bei denen ich mich darauf verlassen kann, dass sie garantiert nur nachhaltige Produkte anbieten?

Sascha Buchhauser: „Klar gibt es prägnante Marken, die sich dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben haben, wie beispielsweise die Firma VAUDE, die auch Partner von Sympatex ist. Aber beinahe alle Marken im Sport- und Modebereich setzen sich mittlerweile mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander und integrieren dieses sukzessive in ihre Kollektionen. Daher empfiehlt es sich, im Laden direkt nach nachhaltigen Produkten zu fragen. Leider ist es oftmals so, dass die VerkäuferInnen nicht ausreichend geschult sind, um in der Praxis umfassend Auskunft darüber geben zu können, welche Produkte nachhaltig sind und welche nicht. Hier gibt es noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, sowohl von Seiten der Marken, als auch der Zulieferer wie Sympatex. Wenn die VerkäuferInnen nichts über das Produkt wissen, dann können nur die Infos auf den Hangtags weiterhelfen. Oder ein Besuch der Webseite der gewünschten Jackenmarke.“  

Das bedeutet ich werfe einen Blick auf die Hangtags und gleiche diese mit meinen Bedürfnissen und Ansprüchen ab?

Sascha Buchhauser: „Ganz genau, vor allem beim Thema Performance. Der zweite, wichtige Punkt, den man berücksichtigen sollte ist das Thema Nachhaltigkeit.“

Spiegelt der Preis die Qualität einer Regenjacke wieder oder können hier durchaus auch günstige Produkte mit teuren Marken konkurrieren?  

Sascha Buchhauser: „Grundsätzlich spielt der Preis eine zweitrangige Rolle. Es gibt auch recycelte und schadstofffreie Materialien, die preislich auf einem ähnlichen Niveau liegen wie ihre nicht-recycelbare und nicht-schadstofffreie Konkurrenz. Es ist also eher eine Entscheidung der Marken, zu welchen Eckpreislagen sie ihre Produkte anbieten möchten. Natürlich ist der Preis auch noch von vielen anderen Faktoren abhängig, nicht nur vom Material.“

Kurz zusammengefasst, was sind die 3 Hauptkriterien, auf die ich beim Jackenkauf achten sollte?

Sascha Buchhauser: „Zuerst auf die Funktion, also handelt es sich um eine wasserdichte oder eine wasserabweisende Jacke und wie atmungsaktiv ist die Jacke. Das zweite wichtige Thema ist die Nachhaltigkeit. Wurde die Jacke aus recycelten Materialien hergestellt? Oder handelt es sich um Material, was danach recycelbar ist, um es dem Textilkreislauf zurückzuführen? Das dritte Kriterium ist die Zertifizierung des Produkts. Hat das Produkt vertrauenswürdige Siegel, wie bluesign oder OEKO-TEX®?“

Vielen Dank für das Interview!

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