Globaler Klimastreik – es ist Zeit, wütend zu werden

Am 20. September schließt sich Sympatex als Unternehmen dem Klimastreik an (#CompaniesForFuture)

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Weltweiter Klimastreik mit Fridays For Future
© Jörg Farys / WWF / Flickr / CC BY 2.0
Fridays For Future-DemonstrantInnen in Berlin

Klimastreik am 20. September – gemeinsam mit Fridays for Future zum Streik

Stellen Sie sich vor, Ihr bester Freund ist alkoholabhängig. Welchen Ratschlag würden Sie ihm geben? Ein erprobter Weg wäre sicherlich die Selbsteinweisung in eine Entzugsklinik. Dort könnte er unter stetiger Überwachung von seiner Abhängigkeit entwöhnt werden. Ein Weg der weit mehr Vertrauen voraussetzt, wäre die Selbstkontrolle in der Stammkneipe. Dort könnte er sein Vorhaben in fortwährenden Runden mit dem profitorientierten Wirt besprechen.

Längst wissen wir, dass neben der Begleitung durch kraftspendende Menschen, eine klare Entscheidung und eiserne Disziplin notwendig sind. Niemand würde auf die Idee kommen, nach Wegen der kleinen schmerzlosen Schritte zu suchen, um einem Süchtigen den steinigen Weg der Entwöhnung zu ersparen. Schon gar nicht würden wir seinen stetig wachsenden Durst als unvermeidliche Notwendigkeit, angesichts der Herausforderungen des Lebens rechtfertigen.

Und doch machen wir genau das in der aktuellen Klimadiskussion. Anstatt uns kollektiv dem Klimastreik der Fridays For Future-Bewegung anzuschließen, die mit der Forderung nach einem radikalen Umdenken in der Politik auf die Straße geht, wird nach Wegen gesucht, den Klimaschutz mit möglichst kleinen Schritten zu realisieren. Und das in dem Wissen, dass die aktuellen Maßnahmen nicht reichen werden.

Wir unterschätzen die Selbstheilungskräfte von Wirtschaftssystemen und überschätzen die Selbstheilungsfähigkeit der Natur

Fossile Brennstoffe standen am Anfang unserer industriellen Revolution und haben uns zweifellos einen nie zuvor dagewesenen Komfort beschert. Aber die Gesellschaft ist inzwischen in einem Maße abhängig geworden, dass wir glauben, nicht mehr auf sie verzichten zu können. Und die Politik rechtfertigt ihr Zögern beim Ausstieg daher mit möglichen Nachteilen für die Wirtschaft.

Folgen des Klimawandels auf Eisbären
Bild: Alexander / Adobe Stock
Erderwärmung: Wachsende Bedrohung für Mensch und Tier

Selbst angesichts der Rekordtemperaturen, rapide abschmelzenden Gletschern oder brennenden Tropenwäldern dreht sich der Kern der Debatte um unser Klima unverändert darum, was wir unserer Wirtschaft an Veränderung zumuten können. Was unserem Planeten noch zugemutet werden kann, scheint auch im Jahr 2019 nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Dabei überschätzen wir nicht nur die Selbstheilungskräfte der Natur. Nur weil die Natur über Jahrhunderte viele Eingriffe der Menschen kompensieren konnte, heißt das nicht, dass unser Klima auch in Zukunft die Folgen menschlichen Handeln ausgleichen kann. Wir haben sowohl unsere pro-Kopf-Emission exponentiell gesteigert als auch die Zahl der Menschen auf dem Planeten allein in den letzten 50 Jahren verdoppelt.

Viel schlimmer ist allerdings, dass wir die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft massiv unterschätzen. So verstecken sich die meisten fossilen Dinosaurier lautstark hinter dramatischen Drohszenarien über den angeblich zu erwartendem Einbruch des Wirtschaftswachstums. Während Sie mit ihren Rezessionswarnungen danach trachten, jeden Versuch einer Einweisung in einen fossilen Entzug zu verhindern, übersehen wir völlig, wie oft wir bereits unsere Wirtschaft von Grund auf neu erfunden haben.

Eine Belastung der Industrie mit den Kosten ihrer CO2-Erzeugung wäre nicht nur moralisch vollkommen gerechtfertigt, sondern auch nur ein zusätzlicher Parameter in bekannten ökonomischen Gleichungen. Natürlich ist dabei nicht ausgeschlossen, dass historische Marken oder Produkte möglicherweise von der Bildfläche verschwinden. Allerdings würden gleichzeitig ganz neue industrielle Potentiale entstehen.

Durch die politischen Schutzreflexe für die etablierten Industrien verbauen wir uns die Chance, eine führende technologische Rolle in dieser alternativlosen Zukunft zu übernehmen. Dies wird das Suchtverhalten nicht verändern, sondern lediglich den Ausstieg verzögern.

Unser Wirtschaftssystem ist viel resilienter, als allgemein behauptet wird. Die Dampflok wurde von elektrischen Zügen abgelöst, die leitungsbasierte Telefonie von Handys und die Kameraindustrie von Smartphones. Warum sollte die Gesellschaft nicht die Umstellung unserer Energiequellen verkraften?

Sicherlich, wir haben erst kürzlich mehrere Wirtschaftskrisen mit vielen blauen Flecken überstanden. Aber keine diese Krisen sind durch tatsächliche Technologie-Änderungen entstanden. Sie waren das Resultat einer börsengetriebenen „Bubble-Ökonomie“. Ob Dotcom oder Subprime-Loans, diese Einbrüche waren lediglich der Kater nach einer Party-Blase, die künstlich erfunden wurde und vor deren inhärenten Schwächen wir zu lange die Augen verschlossen haben.

Die Zwangseinweisung der Wirtschaft in die klimaneutrale Zukunft ist alternativlos – und jede Verzögerung macht die Klimakrise nur schlimmer

Nicht der fossile Ausstieg ist eine Gefahr für die Wirtschaft, sondern unsere Illusion, wir könnten einfach irgendwie so weiterlaborieren wie bisher und die Augen vor den Folgen dieser Ignoranz verschließen. Je zögerlicher wir reagieren, desto heftiger werden die Beben, wenn die „Carbon-Bubble“ platzt.

Kohlenstoffblase droht zu platzen
© Felix Mueller Wikipedia / CC BY 4.0
Kohlenstoffblase: Es stehen mehr fossile Brennstoffe zur Verfügung, als die Erde verkraften kann. Daten: Carbon Tracker initiative 2013/PIK Potsdam Institut für Klimaforschung

Wir sollten aufhören, uns von den Süchtigen Angst vor dem Ausstieg einjagen zu lassen. Sie wollen nur ihre eigene Zwangseinweisung verhindern, weil sie sich ihre Sucht nicht eingestehen wollen.

Es ist höchste Zeit, dass nicht die Politik dem Postulat der fossilen Wirtschaft folgt, sondern umgekehrt. Dass die Bedürfnisse der zukünftigen Gesellschaft in den Vordergrund gestellt werden, die sie vertreten soll. Hierzu gehört, dass Klimaschutz nicht der freiwilligen Selbstverpflichtung einzelner überlassen bleibt, sondern zu einem definierten zukünftigen Fixstern wird, von dem aus wir rückwärts planen müssen, was wir heute tun müssen.

Auch wenn es gerade vielen in ihr politisches Kalkül passt, dass ein paar Indikatoren auf ein Abkühlen des Wirtschaftsaufschwungs hindeuten, so wird der Ausstieg aus den fossilen Energien weder zu einer Massenarbeitslosigkeit noch zu einer Wirtschaftskrise führen. Ganz im Gegenteil, es werden ganz neue Industriezweige entstehen. Wir werden lediglich in der Übergangsphase einige Entzugserscheinungen zu spüren bekommen. Aber ohne einen radikalen Schnitt kann man keine Sucht loswerden.

Der globale Klimastreik – weltweite Unterstützung für Fridays For Future

Insofern ist es wichtig, dass die Wirtschaft endlich Farbe bekennt und sich von der Politik nicht mehr als Feigenblatt missbrauchen lässt, um eine klare Entscheidung zu vermeiden. Die „Entcarbonisierung“ unserer Wirtschaft ist ein Blauer Ozean für diejenigen, die sich frühzeitig darauf vorbereiten. Und auch um zukünftige Beschäftigungschancen müssen wir uns nicht sorgen. Denn es werden diese Unternehmen sein, die in einigen Jahren gerne die Talente übernehmen, die von unverbesserlichen Leugnern nicht mehr versorgt werden können, wenn eines Tages kurzfristig drakonische Korrekturen unvermeidlich sind.

Globaler Klimastreik am 20.September 2019 geplant
© Jörg Farys / Fridays For Future / Flickr / CC BY 2.0
Zukunft und Klima keine abstrakten Begriffe: Kinder und junge Menschen gehen weltweit für nachhaltigen Klimaschutz auf die Straße

2019 ist das Jahr, in dem die Jugend mit der FridaysForFuture-Bewegung begonnen hat in Massen auf die Straße zu gehen und weltweit gegen die Politik der kleinen Kompromisse beim Klimaschutz zu streiken. Große Gruppen junger Menschen und Kinder gehen seitdem auf die Straße, weil Zukunft und Klima für sie keine abstrakten Begriff sind. In Deutschland geschieht es das erste Mal seit den Zeiten des Atomaren Wettrüstens und der Friedensbewegung, dass eine ganze Generation zum Streik auf die Straße geht. Die Eltern-Generation sollte sich dringend daran erinnern, dass wir es auch den damaligen Demonstrationen zu verdanken haben, dass der Kalte Krieg nicht in einer Katastrophe endete.

Karte: Orte, an welchen am 20.09.2019 in Deutschland eine Demo geplant ist. Quelle: Fridays For Future

Am 20.September 2019 wird die Bundesregierung über ihr weiteres Vorgehen zum Schutz von Umwelt und Klima entscheiden. Sympatex wird sich an diesem wichtigen Tag im September mit dem gesamten Unternehmen offiziell der Fridays For Future-Bewegung anschließen und geschlossen an dem Klimastreik auf der Straße teilnehmen (mehr Informationen zu den geplanten Streiks siehe Fridays For Future-Website). In diesem Zuge unterstützen wir auch offiziell „Companies For Future“, eine Kampagne, die u.a. von der ökologisch ausgerichteten GLS Bank initiiert wurde.

Wir hoffen, dass sich noch viele andere Firmen, Vereine und Gruppen diesem globalen Klimastreik anschließen, damit die Wirtschaft nicht mehr als Ausrede für die mangelnde Handlungsbereitschaft von Bund und Ländern missbraucht werden kann.

Es ist Zeit, dass wir gemeinsam wütend werden, der Jugend den Rücken stärken und mitmachen, anstatt unsere Komfortzonen zu verteidigen, die wir mit den Krediten auf ihre Zukunft finanzieren!

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Kommentare

  • Sebastian Geer
    Ganz klarer Fall, keine Unterstüzung mehr für Firmen die dem Klimawahn verfallen sind. Informieren Sie sich bei Naturwissenschaftlern und nicht bei halbwüchsigen Kindern, die nichtmal das kleine Einmaeins sicher beherschen. Wer derart dem Mainstream verfallen ist, dessen Produkte werde ich in Zukunft auch bestreiken.
  • hffmnn
    Hallo Sebastian,

    vielen Dank für deine Beteiligung. Informationen aus naturwissenschaftlichen Quellen findest Du bei genauerer Betrachtung auch in unseren anderen Blogartikeln.
    Alles Gute auf deinem Weg,
    Sympatex.

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